Eine Fetttrennkanne und ein Fettabscheider nutzen zwar dasselbe physikalische Grundprinzip, erfüllen aber völlig unterschiedliche Aufgaben. Die Kanne trennt aufgeschwommenes Fett von Brühe, Fond oder Sauce. Eine Fettabscheideranlage hält dagegen Fette und Öle aus gewerblichem Küchenabwasser zurück, bevor dieses in die Kanalisation gelangt. Dieser Ratgeber erklärt beide Anwendungen – von der richtigen Fetttrennkanne bis zu Planung, Betrieb und Wartung eines Fettabscheiders in der Gastronomie.
Was ist eine Fetttrennkanne?
Eine Fetttrennkanne ist ein Küchengefäß für Brühen, Bratensäfte, Fonds und dünnflüssige Saucen. Da Fett eine geringere Dichte als die überwiegend wasserhaltige Flüssigkeit besitzt, steigt es nach einer kurzen Ruhezeit nach oben. Die darunterliegende Flüssigkeit kann anschließend getrennt ausgegossen werden.
Die Kanne entfernt vor allem sichtbares, nicht emulgiertes Fett. In Sahnesaucen, Mayonnaise oder mit einem Stabmixer emulgierten Flüssigkeiten sind Wasser und Fett wesentlich feiner verbunden; dort funktioniert die Trennung nur eingeschränkt oder gar nicht. Eine Fetttrennkanne ist deshalb kein Filter und kein vollständiges Entfettungsverfahren.

Wie funktioniert eine Fetttrennkanne?
- Brühe, Fond oder Bratensaft bei Bedarf durch ein Sieb in die Kanne gießen.
- Die Flüssigkeit einige Minuten ruhig stehen lassen, bis sich eine sichtbare Fettschicht gebildet hat.
- Je nach Bauart einen Verschluss im Ausguss entfernen oder die untere Auslassöffnung freigeben.
- Die fettärmere Flüssigkeit langsam ausgießen und stoppen, bevor die obere Fettschicht den Ausguss erreicht.
Viele klassische Modelle besitzen einen tief angesetzten Ausguss. Bei anderen Kannen befindet sich die Öffnung im Boden und wird über einen Mechanismus betätigt. Ein Siebeinsatz hält Kräuter, Gewürze und gröbere Bratenreste zurück. Sehr heiße Flüssigkeiten dürfen nur in Behälter gefüllt werden, die der Hersteller ausdrücklich für die entsprechende Temperatur freigegeben hat.
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Welche Flüssigkeiten eignen sich?
- Brühen und klare Suppen
- Bratenfond und Bratensaft
- Schmorflüssigkeiten
- Flüssigkeit von langsam gegartem Fleisch
- dünnflüssige Saucen vor dem Binden
Die Trennung gelingt am besten, bevor Mehl, Stärke, Sahne oder andere Bindemittel zugesetzt werden. Nach dem Entfetten kann der Fond reduziert, gebunden und abgeschmeckt werden. Ein Teil des Fetts darf bewusst im Gericht verbleiben, weil Fett Aromen trägt und das Mundgefühl beeinflusst. Ziel ist nicht automatisch eine vollständig fettfreie Sauce.
Glas, Kunststoff oder Edelstahl?
Glas macht die Trennschichten gut sichtbar und nimmt kaum Gerüche oder Verfärbungen an. Die Kanne ist jedoch schwerer und kann zerbrechen. Nicht jedes Glas verträgt große Temperatursprünge.
Kunststoff ist leicht und bruchsicher. Wichtig sind die ausgewiesene Hitzebeständigkeit, Lebensmitteleignung und eine gut lesbare Pflegeanleitung. Mit der Zeit können Verfärbungen und Kratzer entstehen.
Edelstahl ist robust und langlebig. Weil das Gefäß undurchsichtig ist, lässt sich die Höhe der Fettschicht allerdings schlechter kontrollieren. Eine Skala oder ein Schauglas kann die Handhabung erleichtern.
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Worauf beim Kauf achten?
- Fassungsvermögen: Für kleine Haushalte reichen oft 500 bis 750 Milliliter; größere Bratenfonds benötigen mehr Volumen.
- Temperaturfreigabe: Material und Bauteile müssen für heiße Flüssigkeiten geeignet sein.
- Ausguss: Er sollte kontrolliert gießen und sich vollständig reinigen lassen.
- Sieb und Stopfen: Herausnehmbare Teile erleichtern die Reinigung; Ersatzteile sind von Vorteil.
- Skala: Eine gut erkennbare Messskala macht die Kanne auch zum Portionieren nützlich.
- Standfestigkeit: Ein breiter Boden und ein ausreichend großer Griff erhöhen die Sicherheit.
- Reinigung: Spülmaschineneignung und zerlegbare Ausläufe verhindern Ablagerungen.
Fetttrennkanne richtig reinigen
Fettreste sollten direkt nach der Verwendung entfernt werden. Stopfen, Sieb und andere abnehmbare Teile werden separat gereinigt. Besonders im unteren Ausguss können sich Fett und Speisereste festsetzen. Ist das Modell spülmaschinengeeignet, werden zuvor grobe Rückstände entfernt. Bei der Handwäsche helfen warmes Wasser, Spülmittel und eine schmale Bürste. Vor dem Zusammenbau müssen alle Teile vollständig trocknen.
Was ist ein Fettabscheider in der Gastronomie?
Eine Fettabscheideranlage behandelt gewerbliches Abwasser, das Fette und Öle pflanzlichen oder tierischen Ursprungs enthält. Sie schützt Entwässerungsleitungen und Kanalisation vor Ablagerungen, Verstopfungen, Korrosion und Geruchsproblemen. Im Unterschied zur Fetttrennkanne ist sie Teil der Grundstücksentwässerung und muss geplant, bemessen, genehmigt, betrieben und dokumentiert werden.
Ob ein Betrieb eine Abscheideranlage benötigt und welche Anforderungen gelten, bestimmen die örtliche Entwässerungssatzung, die zuständige Behörde und die konkrete Nutzung. Gastronomiebetriebe sollten deshalb bereits vor Umbau oder Neueröffnung Kontakt zum Entwässerungsbetrieb beziehungsweise Umweltamt aufnehmen. Die pauschale Aussage, jeder gastronomische Betrieb benötige immer denselben Fettabscheider, wäre zu ungenau.
Für welche Betriebe kommen Fettabscheider infrage?
- Restaurants, Gaststätten und Imbisse
- Hotels, Kantinen und Großküchen
- Metzgereien und fleischverarbeitende Betriebe
- Bäckereien und andere Lebensmittelbetriebe mit fetthaltigem Abwasser
- mobile Küchen, Foodtrucks oder Marktstände – abhängig von Abwasseranfall und örtlichen Vorgaben
Bei mobilen Angeboten wie Street Food ist ein kompakter mobiler Fettabscheider nicht automatisch ausreichend. Abwasserentsorgung, Behältervolumen, tägliche Reinigung und Annahmestelle müssen mit Veranstalter beziehungsweise Behörde abgestimmt werden.
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Wie funktioniert eine Fettabscheideranlage?
Die Anlage arbeitet nach dem Schwerkraftprinzip. Das einströmende Abwasser wird beruhigt, damit sich Stoffe entsprechend ihrer Dichte trennen können. Schwerere Feststoffe sinken in den Schlammfang. Fette und Öle steigen auf und sammeln sich im Fettsammelraum. Das dazwischenliegende Abwasser fließt zum Ablauf weiter.
Das Verfahren erfasst frei abscheidbare Fette und Öle. Stabile Emulsionen, die etwa durch ungeeignete Reinigungsmittel, hohe Temperaturen oder intensive mechanische Vermischung entstehen, können schlechter getrennt werden. Deshalb gehören Planung der Zuläufe, Spülprozesse und Reinigungschemie zum Gesamtkonzept.
Welche Abwässer dürfen eingeleitet werden?
In den Fettabscheider gehören nur die dafür vorgesehenen fetthaltigen Küchenabwässer. Fäkalienhaltiges Abwasser, Niederschlagswasser, Mineralöle und andere nicht zugelassene Stoffe dürfen nicht eingeleitet werden. Welche Spülen, Geräte und Bodenabläufe angeschlossen werden, muss die Fachplanung festlegen. Abfallfett aus Fritteusen darf nicht über Ausguss oder Abscheider entsorgt werden, sondern wird getrennt gesammelt und fachgerecht verwertet.
Normen und örtliche Anforderungen
Für Fettabscheideranlagen sind in Deutschland insbesondere DIN EN 1825-1 und DIN EN 1825-2 sowie die ergänzende DIN 4040-100 relevant. Sie behandeln unter anderem Baugrundsätze, Nenngrößenauswahl, Einbau, Betrieb und Wartung. Zusätzlich gelten kommunale Entwässerungssatzungen, wasser- und baurechtliche Vorgaben sowie Auflagen der zuständigen Behörde.
Normen ersetzen keine standortbezogene Planung. Vor Bestellung und Einbau sollten Fachplaner, Entwässerungsbetrieb und Behörde eingebunden werden. In manchen Kommunen ist eine Genehmigung vor Errichtung erforderlich. Ein falsch dimensionierter oder ungünstig platzierter Abscheider verursacht später hohe Kosten und lässt sich nicht durch häufigeres Entleeren vollständig kompensieren.
Nenngröße und Einbau planen
Die Nenngröße wird nicht allein anhand der Sitzplätze bestimmt. In die Berechnung fließen unter anderem Art und Menge der Mahlzeiten, maximaler Abwasserzufluss, angeschlossene Einrichtungen, Temperatur, Dichte der Fette sowie verwendete Reinigungs- und Spülmittel ein. Die Auslegung gehört in fachkundige Hände.
- Freiaufstellung: Die Anlage steht in einem geeigneten Gebäudebereich und bleibt für Kontrolle und Entsorgung erreichbar.
- Erdeinbau: Der Behälter wird außerhalb des Gebäudes eingebaut; Zugänglichkeit, Belastung, Dichtheit und Rückstauschutz sind zu planen.
- Teil- oder Vollentsorgung: Systeme unterscheiden sich darin, wie Inhalt, Fett und Schlamm entnommen und die Anlage gereinigt werden.
- Geruchsmanagement: Entlüftung und geruchsdichte Ausführung müssen zur Einbausituation passen.
Entleerung, Eigenkontrolle und Wartung
Ein Fettabscheider arbeitet nur zuverlässig, wenn sein Inhalt rechtzeitig entsorgt und die Anlage kontrolliert wird. Nach der aktuell einschlägigen DIN-Systematik und verbreiteten behördlichen Vorgaben wird der Abscheider bedarfsgerecht, mindestens jedoch monatlich vollständig entleert und gereinigt. Kürzere Intervalle können durch Füllstand, Nutzung oder behördliche Auflagen erforderlich sein. Anschließend wird die Anlage wieder mit Frischwasser befüllt.
- Regelmäßige Eigenkontrolle: Funktionszustand, Fett- und Schlammschicht sowie technische Einrichtungen durch eine sachkundige Person prüfen.
- Jährliche Wartung: Anlage nach Hersteller- und Regelwerksvorgaben durch eine sachkundige Person warten lassen.
- Generalinspektion: Vor Inbetriebnahme und wiederkehrend in den vorgeschriebenen Abständen – häufig spätestens alle fünf Jahre – durch einen Fachkundigen prüfen lassen.
- Betriebstagebuch: Kontrollen, Wartungen, Entleerungen, Entsorgungsnachweise, Prüfberichte und Mängelbeseitigungen dokumentieren.
Die konkreten Intervalle und Nachweispflichten können durch Genehmigung, Satzung und Anlage abweichen. Der Betreiber sollte sich daher nicht allein auf allgemeine Internetangaben verlassen, sondern die für seinen Standort geltenden Bescheide und Herstellerunterlagen zugrunde legen.
Häufige Fehler beim Betrieb
- Frittier- und Speiseöle werden über Spüle oder Bodenablauf entsorgt.
- Entleerungsintervalle werden verlängert, obwohl Fett- oder Schlammfang bereits stark gefüllt sind.
- Nach der Reinigung wird die Anlage nicht ordnungsgemäß mit Wasser befüllt.
- Ungeeignete Reiniger oder biologische Mittel werden ohne Freigabe eingesetzt.
- Entlüftung, Rückstauschutz oder Zugänglichkeit wurden bei der Planung unterschätzt.
- Kontrollen und Entsorgung werden nicht nachvollziehbar dokumentiert.
Was kostet ein Fettabscheider?
Der Gerätepreis ist nur ein Teil der Gesamtkosten. Hinzu kommen Fachplanung, Genehmigung, Erd- oder Bauarbeiten, Leitungsanpassungen, Lüftung, Hebeanlage beziehungsweise Rückstauschutz, Inbetriebnahmeprüfung und gegebenenfalls eine Probenahmeeinrichtung. Im laufenden Betrieb entstehen Kosten für Entleerung, Reinigung, Wartung, Generalinspektion und Reparaturen.
Bei der Auswahl sollten deshalb nicht nur Anschaffungspreis und Nenngröße verglichen werden. Gute Erreichbarkeit für das Entsorgungsfahrzeug, geruchsarme Entleerung und verfügbare Ersatzteile können die Betriebskosten über viele Jahre deutlich beeinflussen.
Fetttrennkanne und Fettabscheider: Häufige Fragen
Macht eine Fetttrennkanne Saucen fettfrei?
Nein. Sie entfernt einen großen Teil des sichtbaren, aufgeschwommenen Fetts. Fein emulgierte Fette bleiben in der Flüssigkeit. Wie viel getrennt wird, hängt von Rezept, Temperatur, Ruhezeit und Bauart der Kanne ab.
Kann eine Fetttrennkanne als Messbecher dienen?
Bei einer gut lesbaren Skala ist das möglich. Für sehr genaue Rezepturen ist jedoch ein geeichter beziehungsweise ausreichend präziser Messbehälter oder eine Waage besser geeignet.
Ist ein mobiler Fettabscheider für jeden Foodtruck ausreichend?
Nein. Entscheidend sind Abwassermenge, angeschlossene Geräte, Entsorgungskonzept und örtliche Anforderungen. Das System muss vor dem Einsatz mit der zuständigen Stelle beziehungsweise dem Veranstalter abgestimmt werden.
Darf altes Frittierfett in den Fettabscheider?
Nein. Gebrauchtes Frittieröl und Speisefett werden separat in geeigneten Behältern gesammelt und über einen dafür vorgesehenen Entsorgungs- oder Verwertungsweg abgegeben.
Fazit: Zwei Produkte, ein Trennprinzip
Die Fetttrennkanne ist ein unkomplizierter Küchenhelfer für Brühen, Fonds und Bratensäfte. Ein gewerblicher Fettabscheider ist dagegen eine genehmigungs- und wartungsrelevante Abwasseranlage. Bei der Kanne zählen sichere Handhabung, Temperaturbeständigkeit und Reinigung. Beim technischen Abscheider sind fachkundige Bemessung, örtliche Vorgaben, regelmäßige Entleerung und lückenlose Dokumentation entscheidend.













